2010 war ein Jahr des in-Bewegung-Seins und des Horizont-Erweiterns- in vielerlei Hinsicht im doppelten Sinne.
Das Jahr startete gemächlich und gemütlich. Von Januar bis Mitte April stand ich ( im Vergleich zum Vorjahr ) nun als Erstbesetzung im "Musicaljuwel" ( laut einer Kritik ) "Das Orangenmädchen" im Wiener Off-Theater auf der Bühne. Eine Produktion mit einem kleinen, sehr feinen Team, mit Herz und Leidenschaft, eine berührender Geschichte und wunderbarer Musik. Ich werde diese Zeit immer in positiver Erinnerung behalten- auch weil es meine 1. professionelle Musical-Produktion war.
Nebenbei machte ich mich an die Entdeckung der Arbeit vor der Bühne. Für die Kindermusical-Tourneeproduktion "Lenny der fliegende Hund" brachte ich mich als Regieassistenz ein, und schnell wurde mir so viel Vertrauen geschenkt, dass ich jederzeit Ideen einbringen durfte, und letztendlich auch für die Choreografie und musikalische Einstudierung verantwortlich gemacht wurde. Eine spannende Aufgabe, die mich wieder einmal mehr bestätigt hat, dass ich die Begriffe Coaching und Unterrichten nicht aus den Augen verlieren möchte. Ich liebe es mit Kollegen zu arbeiten, Wege zu finden, das Beste aus ihnen raus zu holen- das ständige Nehmen und Geben in der kreativen Arbeit…so macht der Beruf doch wirklich Spaß!
Mitte April begann dann die wortwörtliche Horizonterweiterung und die bisher größte Herausforderung meines beruflichen Lebens: Mein Engagement auf dem Kreuzfahrtschiff MS Amadea. Nach einigen Streitigkeiten mit Eykja… Eya…Eki…also dem isländischen aschespuckenden Vulkan halt…und einer einmonatigen Probezeit in Belgien, machten sich 8 Darsteller mit 11 Shows im Gepäck auf große Fahrt. Das, worauf ich 7 Jahre lang hingearbeitet hatte. nahm ihren Anfang. Der erste richtige, gut bezahlte Job im Angestelltenverhältnis. Vom Beruf leben können, ihn nicht mehr als Nebenverdienst oder Hobby bezeichnen müssen- yes!!! Zugegeben, die Zeit war hart- vor allem der Anfang. Es galt gegen extrem lange Arbeitstage, ein nicht immer angenehmes Betriebsklima, körperliche und psychische Extremsituationen und Verletzungen, Schlafmangel etc. zu meistern. Ich war kurz davor zu gehen. Aber letztendlich habe ich weitergemacht. Ich wusste, dass ich es mir nicht verzeihen würde, das Erreichte jetzt aufzugeben. Das, wofür ich solange gekämpft hatte. Ich lebte endlich meinen Traum- auch wenn ich ihn in der Realtiät in dem Augenblick gar nicht mehr so traumhaft fand! Aber, oder vielleicht gerade deshalb: Augen zu, Zähne zusammen und durch da! Und es hat sich so sehr ausgezahlt!!! Ich bin so froh! Ich habe die Arbeit, das Schiff, das Leben und das ständige Unterwegs-Sein kennen und lieben gelernt, habe wunderschöne Orte gesehen, zu denen ich freiwillig nie gefahren wäre, Seestärke 9 ohne Probleme überlebt, gelernt, dass es gar nicht so schlimm ist, 5 Monate zu zweit auf engstem Raum zu leben, habe Menschen und Kollegen intensiv wie sonst nie kennen und lieben gelernt…aber das Wichtigste: Ich durfte fast täglich auf der Bühne stehen, und habe so sehr an Routine und Sicherheit gewonnen.
Der Abschied im September war schwer- ich wäre gerne noch weiter gefahren- aber manche Dinge sollten wohl vorerst nicht sein. So kehrte ich voll Tatendrang und Motivation nach Wien zurück mit dem Wissen und dem dringlichen Wunsch: Die nächste Stufe ist erklommen, und es wird weiter bergauf gehen! Ich steckte mir neue Ziele und Prinzipien, bastelte eine neue Wunschcollage und entschied, dass meine Zeit in Wien nun zu Ende sein sollte. Ich war in Bewegung und bereit für Veränderungen- also schien auch ein Ortswechsel nahestehend. Ich begab auf Wohnungssuche in meiner Heimatstadt Hamburg.
Herbstzeit = Bewerbungszeit! Frisch vom Schiff und damit mit einem neuen ansprechenden Punkt im Lebenslauf ging es los- die Jagd um einen Folgejob. Wer meine Blogeiträge ein wenig verfolgt hat, wird vielleicht wissen, dass Vorsprechen und vor allem Vorsingen immer ein Horrorszenario für mich dargestellt hatten. Und wie fürchtete ich mich vor meiner ersten Gesangsaudition nach dem Schiff: Würde sich etwas verändert haben? Würde es leichter gehen? Oder war alles umsonst gewesen und war alles beim Alten geblieben? Doch das Wunder war geschehen: Seit dem Kutter funktioniert meine Stimme mehr oder weniger einwandfrei beim Vorsingen. Ich habe gelernt, ruhiger zu bleiben, authentischer aufzutreten. Bei einem Großteil der absolvierten Auditions und Vorsprechen bekam ich noch währenddessen positives Feedback.
Schnell musste ich allerdings lernen, dass positives Feedback nicht unbedingt auch einen Job zur Folge haben muss…Was ist eigentlich deprimierender? Beim Vorsprechen zu versagen und deshalb keinen Job zu kriegen, obwohl man so genau weiß, was man eigentlich kann? Oder sich gut präsentieren, positiv wahrgenommen zu werden und trotzdem nur Absagen zu kassieren? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur: Ich mag beide Situationen nicht…
Heute ist Weihnachten. Und mir wurden bereits 3 tolle Geschenke gemacht. Ich habe eine tolle Wohnung in Hamburg gefunden- Mitte Februar, also genau nach 8 Jahren Wien werde ich in die Heimat zurückkehren. Und: Ich habe in den letzten Tagen zwei Engagement-Angebote erhalten. Anfang Januar steht dann noch eine berufliche Chance aus. Wenn das alles wirklich klappen würde, wäre ich bis Mai 2012 versorgt…und: Es würde auch wieder aufs Meer gehen…Was könnte ich mir mehr wünschen zum Jahresende, als das ich jetzt sagen kann: Es ist was weitergegangen und die Arbeit scheint sich auszuzahlen- es geht weiter und bergauf! 2011 wird spannend.
Ich wünsche euch das Gleiche!
Habt gesegnete und frohe Weihnachten und einen fantastischen Rutsch ins hoffentlich erfolgreiche, erlebnisreiche und aufregend-positive Jahr 2011!